Inklusion: Chancen und Grenzen

Inklusion

Nach wie vor haben wir in Deutschland noch keinerlei gemeinsame Idee darüber, wie wir in 20 bis 30 Jahren leben wollen. Warum ist Inklusion wichtig?

Mir sind diese Woche zwei Zahlen aufgefallen: Ein 30-jähriger Doktorand erzählt mir von einem Treffen mit seinen früheren Klassenkameraden. Aus zwei Schulklassen hatten 60 junge Menschen das Abitur gemacht. Gerade 3 von ihnen haben schon ein Kind.

In Stuttgart sind etwa 60% der neu eingeschulten Kinder aus Familien, in denen zuhause nicht deutsch gesprochen wird.

Die heutige Gesellschaft verlangt nach Inklusion

Beide Perspektiven zusammen geben einen starken Impuls für eine inklusive Gesellschaft. Inklsuion meint ein Zusammenleben, das andere nicht ausschließt, sondern ihnen ein Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt.

Geht das überhaupt? Überfordert uns Diversität nicht komplett?

Und „Diversität“ ist hier ein Folgebegriff von gesellschaftlicher Toleranz. Es ist gut und richtig, dass wir uns kein Urteil anmaßen darüber, ob Paare die Entscheidung über ein Kind treffen oder gerade nicht. Es ist gut und richtig, dass Menschen ihre eigene Sprache sprechen. Es ist gut und richtig, dass eine gemeinsame Verkehrssprache das Zusammenleben dennoch leichter machen wird. Und es ist gut und richtig, auf die besonderen Bedürfnisse behinderter, besonders junger oder besonders alter Menschen Rücksicht zu nehmen…

Inklusion in Bezug auf Sexualität und Religion

Die Frage nach Diversität und Inklusion ist aber kein Verzicht auf ethische Wertungen. Es gibt Grenzen der Toleranz, beispielsweise dort, wo es um Hass, sinnlose Gewalt und Diskriminierung geht. Und die Grenze ist keineswegs trivial: Vor 50 Jahren war Homosexualität ein Straftatbestand; heute verhält sich derjenige anstößig, der sexuell diskriminierendes Verhalten zeigt. Vor 50 Jahren war das Läuten der Kirchenglocken Teil des Heimatgefühls; für einige Menschen gilt es heute als Ruhestörung.

Dass sexuelle Toleranz ihre Grenze in der Gefährdung von Kindern hat, ist allgemein anerkannt. Wo die Grenzen religiöser Toleranz verlaufen sollen, ist weniger klar. Das hat beispielsweise die Diskussion um die Beschneidung im Jahr 2012 gezeigt: Handelt es sich um Körperverletzung oder um eine zu bewahrende religiöse Tradition?

Solche Diskussionen sind notwendig und sinnvoll. Daher die Frage: Wo hört sinnvolle Inklusion auf – und wo fangen Grenzen der Toleranz an? Ich freue mich auf Diskussionsbeiträge!

Lesen Sie hierzu auch: Ulrich Hemel: Religion und Migration, Demokratie und Menschenwürde

Share!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.