CSR und Werteorientierte Unternehmensführung

Einige Thesen zur Sozialen Verantwortung von Unternehmen (=CSR)

 

  1. Die Sinnkrise des marktwirtschaftlichen, kapitalistischen Wirtschaftssystems speziell nach der Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 hat die Aufgabe von Unternehmen in der Gesellschaft vor neue Herausforderungen gestellt.
  1. Unternehmen können die Sinn- und Systemkrise nicht lösen, müssen aber schon aufgrund der Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften auf sie reagieren. Solche Reaktionen können von innen heraus „eigenmotiviert“ sein. Sie können aber auch rein ökonomisch als Verbesserung der Arbeitgeberattraktivität in einer gegebenen Balanced Score Card angesehen werden.
  1. Viele Aktivitäten aus dem Feld der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen werden mit dem Begriff der Corporate Social Responsibility (CSR) umschrieben. Dabei hat sich ein eigenes, in sich vielfältiges und teilweise auch widersprüchliches Aufgabengebiet mit CSR-Abteilungen, CSR-Managern, CSR-Organisationen und CSR-Preisen herausgebildet.

  1. Der Begriff CSR findet dort eine Grenze, wo er Gefahr läuft, Teil eines unternehmerischen Reputationsmanagements zu werden. Die größten CSR-Abteilungen finden sich in Banken und Pharma-Unternehmen, die ein besonderes Interesse an einer guten öffentlichen Selbstdarstellung haben.
  1. Die Glaubwürdigkeit des CSR-Handelns eines Unternehmens hängt von der Verankerung einer CSR-Strategie in der übergreifenden strategischen Ausrichtung des Unternehmens im Sinn einer werteorientierten Unternehmensführung statt.
  1. Aufgrund gegebener Eigentumsverhältnisse und definierter Aufsichtsstrukturen (Corporate Governance) sind die Chancen für die Durchsetzung und glaubwürdige Durchführung von CSR-Interessen in der Regel in kleinen und mittleren Unternehmen größer als im Konzern, in familiengeführten Unternehmen größer als in stark kapitalmarktgetriebenen Firmen.
  1. Die Spannung zwischen womöglich isolierten CSR-Initiativen und Mängeln in der unternehmerischen Werteorientierung, die sich im fairen Umgang mit Kunden, Lieferanten, Mitarbeitern und anderen Stakeholdern zeigen würde, führt zu immer wieder auftauchenden Widersprüchen, die dann beispielsweise mit Begriffen wie „sozialer Fassade“, „Feigenblatt-Funktion“ „Greenwashing“ und anderen bezeichnet wird.
  1. Unternehmen, Organisationen und Institutionen mit nicht primär wirtschaftlichen Zielsetzungen so wie z.B. Kirchen, Gewerkschaften, Parteien und Einrichtungen der Sozialwirtschaft laufen in einem systematischen Sinne die Gefahr, über ihren sozialen, politischen, religiösen oder gesellschaftlichen Zielsetzungen die Qualität ihrer internen Prozesse und damit den hohen Wert der „Fairness im Umgang“ zu vernachlässigen, weil sie über der sozial erwünschten Zwecksetzung ihres Handelns die Sensibilität im Umgang mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Kunden oder Betreuten sowie mit sonstigen Stakeholdern aus dem Gesichtsfeld zu verlieren drohen. Systematisch besonders hoch ist diese Gefahr schon deswegen, weil der übergreifende nicht primär wirtschaftliche Handlungszweck solcher Organisationen leicht als Rechtfertigungsdach über allerlei Formen unprofessionellen, aber auch unfairen Verhaltens gestülpt werden kann.
  1. Wenn Unternehmen und Organisationen als verantwortliche Akteure ihrer lokalen und regionalen Zivilgesellschaft auftreten, dann achten sie auf die Konvergenz zwischen ihrem Alltagshandeln und ihren CSR-Aktivitäten im engeren Sinn. Diese Aktivitäten sind dann Ausdruck einer übergreifenden Werteorientierung auch dann, wenn sie im Sinn der Differenzierung und Spezialisierung von eigens beauftragen Menschen, Abteilungen oder Projektbeauftragten durchgeführt werden.
  1. Im besten Fall leben Unternehmen in ihren Geschäftsprozessen eine strategisch begründete Werteorientierung mit etablierten Mechanismen der Kontrolle, der Korrektur und der Verbesserung. Explizite CSR-Aktivitäten können, müssen aber nicht Teil dieser Werteorientierung sein.
  1. In einem solchen Kontext wirkt ein Unternehmen als „Good Corporate Citizen“, als verantwortlicher Akteur in seiner Zivilgesellschaft. Seine CSR-Aktivitäten sind dann Ausdruck einer glaubwürdig umgesetzten Strategie und in aller Regel auf das „Kerngeschäft“ der Organisation bezogen.
  1. Der Effekt einer solchen Ausrichtung in Werten, CSR-Handeln und Strategie ist dann in aller Regel tatsächlich ein messbarer und wirksamer Effekt im gewählten Handlungsfeld sozialer Verantwortung, aber als Folge dessen auch die Anerkennung eines Unternehmens oder einer Organisation in seinen wesentlichen Interaktionen mit der Gesellschaft. Dieser Anerkennungs- oder Reputationseffekt umfasst sowohl Arbeitgeberattraktivität wie auch die zugeschriebene Glaubwürdigkeit im Handeln einer solchen Organisation oder eines solchen Unternehmens.

Ulrich Hemel, Direktor, Institut für Sozialstrategie

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Über Ulrich Hemel

Ulrich Hemel ist Direktor des IfS, Vorstandsvorsitzender des Forschungsinstituts für Philosophie in Hannover und geschäftsführender Gesellschafter der „Strategie und Wert Beratungs- und Beteiligungs-GmbH“.

Er hat umfangreiche Managementerfahrung u.a. bei The Boston Consulting Group, als CEO der Paul Hartmann AG und beim Pflegeheimbetreiber Casa Reha gesammelt.

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