Einer für Alle – Aber Alle für Einen?

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(Vorab möchte ich klarstellen, dass alle Formulierungen geschlechtsneutral zu verstehen sind. Sie spiegeln lediglich die heutige Umgangssprache wider.)

Viele Errungenschaften unserer heutigen Zeit sind Ergebnisse einer vorhergegangenen Erfahrung. Not macht erfinderisch. Not kann beflügeln. Und, und das ist das Wichtigste: Man beginnt zu denken – man denkt darüber nach, wie man etwas verbessern könnte. Ich jedenfalls habe für meinen Teil angefangen darüber nachzudenken, welchen Risiken und Gefahren Selbständige in der heutigen Zeit ausgesetzt sind. Und dabei bin ich auf etwas sehr Nachdenkliches gestoßen: Begibt man sich heute in eine Selbständigkeit, so trägt der Selbständige ein oft unterschätztes Risiko und große, ja sehr große Verantwortung.

Viele Unternehmer fangen ihre Selbständigkeit einmal klein an. Da gibt es den guten Handwerker oder den etwas älteren Arbeitslosen der den Weg in die Selbständigkeit wagt. Und nicht immer geht es in kürzester Zeit direkt von Null auf Hundert – wie man so schön sagt. Man muss selbst und ständig viel arbeiten. Viele glauben, wenn man eine Gesellschaftsform wie GbR, Ltd (Limited) oder eine GmbH gegründet hat, ist alles bestens gesichert. Doch weit gefehlt. Risiken lauern an allen Ecken. Im Übrigen können auch gerade diese Ein-Pfund-Gesellschaftsformen auch schon einen negativen Rückschluss auf die Liquidität des Unternehmers vermuten und das Risiko ist dennoch nicht ganz vom Tisch. Für den neuen Unternehmer steht von Anfang an alles auf 100%! Als Unternehmer tragen Sie 100% Verantwortung – für Alles! Und Alles sieht ganz schön hart aus:

100% Verantwortung für das Vorhalten oder Beschaffung des benötigten Gründungskapitals
100% Verantwortung für das Einholen von Aufträgen
100% Verantwortung für das Abarbeiten des Auftrages
100% Verantwortung für die Rechnungslegung
100% Verantwortung für das Abführen der Umsatzsteuer
100% Verantwortung für die Absicherung von Mitarbeitern
100% Verantwortung für das Abführen von Lohnsteuer
100% Verantwortung für Einkommensteuervorzahlung
100% Kreditinstitut oder Sponsor für das FA bei Einklagen offener Forderungen
100% der Dumme, wenn´s mal nicht rund läuft.

Letztendlich kann man feststellen, dass der Unternehmer zu 100% für alles geradestehen muss, was von Gesetzgeberseite gefordert wird. Der Gesetzgeber – auch unter dem Druck der Gewerkschaften – sorgt sich nicht um die Arbeitgeber, die kleinen Unternehmen und mittelständigen Betriebe.

Während der Unternehmer immer volles Risiko eingeht, haben dank des Unternehmers nur seine Mitarbeiter eine gewisse Grundabsicherung. Der Unternehmer muss sich um seine eigene Absicherung selbst kümmern. Klar, auch ich weiß, dass es jede Menge Unternehmer gibt, die es schneller und vielleicht auch etwas leichter gehabt haben, ihre Schäflein ins Trockene zu bringen. Aber ich möchte von oder für diejenigen schreiben, denen es eben nicht gelungen ist rechtzeitig für sich eine eigene Absicherung zu erwirtschaften. Aus welchem Grund auch immer.

Wer den Schritt in die Selbständigkeit gewagt hat, muss sich darüber im Klaren sein, dass nun die Uhren etwas anders ticken. Was nun folgt soll kein Beitrag dazu sein grundsätzlich alles schlecht zu schreiben – aber es gibt vieles, worüber man sich Gedanken machen muss. Ab nun ist der Unternehmer die Kuh, die gemolken werden soll. Von wollen kann aber eigentlich ja nicht die Rede sein. Während der neue Selbständige nun einmal zuerst gucken muss, dass er sein Geschäft in Schwung bringt und hält, werde ich das Gefühl nicht los, als wenn da schon die ersten Geier am Horizont auftauchen und ein neues Opfer entdeckt haben: Finanzamt, Gewerbeamt, Krankenkassen, Geldinstitute, Versicherungen und die Pflichtmitgliedschaft bei IHK oder HWK, sowie die Berufsgenossenschaften. Alle wollen etwas vom neuen Selbständigen: Sein Geld! Mit seinem Einsatz und seiner Arbeitskraft hält der Selbständige die Reihe der zuvor genannten am Leben – und das nicht schlecht. Es lauert hier schon die erste Gefahr etwas zu verlieren, was man sich zuvor noch in der Rolle des angestellten Mitarbeiters erworben hat. Der frühere Arbeitgeber sowie der neue Selbständige haben dafür Sorge getragen, dass man als Selbständiger noch einen Anspruch auf soziale Absicherung hat. Doch leider sind es gerade diese Posten an laufenden Kosten, von denen der Selbständige dann fahrlässiger Weise oftmals nur all zu früh auf die Kostenbremse drückt. Auf einmal muss er Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteile selber erwirtschaften und was liegt da näher als den alten Absicherungen den Rücken zu wenden. Ohne zu wissen, wo die Reise hingeht, werden Entscheidungen mit großer Tragweite getroffen. Und dann dämmert es meistens, wenn es zu spät ist, wie schnell doch innerhalb von 5 Jahren 36 Monate nicht mit Beiträgen zur eigenen Absicherung belegbar werden. Daher möchte ich jedem neuen Selbständigen ans Herz legen, sich vor Gründung intensiv mit der Aufrechterhaltung bisheriger Ansprüche auseinander zu setzen.

Beginnen wir doch einmal, die zuvor aufgeführte 100%-Verantwortungs-Liste zu durchforsten.

100% Verantwortung für das Vorhalten oder Beschaffung des benötigten Gründungskapitals

Alter Volksmund sagt: Von Nichts kommt nichts!
Heute würde man sagen: Ohne Input kein Output!
Wer sich Selbständig macht, braucht Startkapital. Wohl dem, der selbst etwas zusammengespart hat und nun alles auf Rot oder Schwarz setzt wie es beim Roulette heißt. Ich formuliere es bewusst so, um deutlich zu machen, dass Sie Ihr Erspartes eventuell nicht wiedersehen – gönnen tue ich aber jedem auch alles Glück dieser Erde.

Nun gibt es auch die Möglichkeit, dass Sie das Startkapital aus Freundes- oder aus dem Kreise der Verwandtschaft erhalten. Doch Vorsicht ! Wer nach „Nichts geht mehr“ auf die falsche Farbe gesetzt hatte, wird ohne Freunde auskommen müssen und im Verwandtschaftskreis wohl auch nicht mehr zu jedem Geburtstag eingeladen.
Besser ist es da, mit einem überzeugenden Businessplan an die Türen der Zuschussgeber zu klopfen. Da gibt es Zuschüsse von vielen öffentlichen Institutionen. Für die Existenzgründung rate ich, sich einen Gründungscoach zu suchen. IHK und HWK sind sicher eine erste Anlaufstelle. Informieren Sie sich aber auch selbst indem Sie sich Informationen aus dem Internet ziehen. Achten Sie dabei immer auf die Aktualität der Berichte da manche Zuschüsse unter Umständen zeitlich begrenzt sind.
Existenzgründungsdarlehn? Na, ja. Ich habe da so mein Problem, wenn hierfür die Bürgschaft der Partnerin oder einer weiteren Person benötigt wird. Grundschuld- und andere Sicherungsleistungen sind für mich ein Novum. Also wenn, sollte ihr Businessplan es dem Darlehnsgeber ermöglichen, Ihnen ein entsprechendes Existenzgründungsdarlehn zu gewähren. Die Höhe des Darlehns liegt dabei im Risikobereich der Darlehnsgeber.  Fazit: Sie tragen 100% Verantwortung für das Vorhalten oder Beschaffung des benötigten Gründungskapitals

100% Verantwortung für das Einholen von Aufträgen.

Aus eigener Erfahrung heraus kann ich bestätigen, dass man ein wenig Glück haben muss. Man kennt Sie und weiß Ihre Arbeit zu schätzen. Die Frage ist nur, wie oft und wie lange Ihre „Bekannten“ Ihre Arbeit und Leistung für sich benötigen und in Anspruch nehmen? Nicht jeder dieser „Bekannten“ benötigt jedes Jahr einen neuen Fassadenanstrich oder eine neue Heizung. Was ich damit sagen will ist, dass diese Vorschusslorbeeren zwar ein gewisses Polster sein können – aber eben nur ein gewisses. Bei „Bekannten“ neigt man ja auch schon einmal dazu, etwas günstiger anzubieten. Einmal dürfen Sie raten, wer jetzt etwas verdient! Solange Sie selbst noch keine Mitarbeiter haben können Sie selbst entscheiden, ob Sie am Monatsende Brutto 5.280 € oder sogar noch weniger für immerhin mindestens 264 Arbeitsstunden haben möchten. Und dann kommt da noch die ganze Reihe an Nebenkosten auf Sie zu. Doch wie kommen Sie an Aufträge? Nicht jede Dienstleistung ist über die Installation einer Website dazu geeignet auch direkte Aufträge zu generieren. Handwerker sollten grundsätzlich mit einer gezielten Außenwerbung am Firmensitz, auf dem oder den Fahrzeugen und an den Objekten wo Sie tätig sind für einen Bekanntheitsgrad Sorge tragen. Eine Website ist hier lediglich ein Ort, an dem man sich über Ihre Tätigkeiten und speziellen Fähigkeiten informieren kann. Sie wird aber auch von denjenigen genutzt, um Ihnen etwas „kostenlos und unverbindlich“ vorführen wollen. Jeder Anfang ist wohl schwer. Während Mund zu Mund Propaganda vielfach die effektivste und kostengünstigste Art der Werbung für den Start und später sein kann, wird man nicht umhinkommen die zuvor beschriebene  Außenwerbung zu betreiben. Sie werden sehr viel Zeit für das Ausarbeiten oder in das Erstellen von Angeboten stecken müssen – Zeit, die üblicherweise nicht vergütet wird und von der Sie noch nicht einmal wissen, ob Sie einen Auftrag erhalten.  Fazit: Sie tragen 100% Verantwortung für das Einholen von Aufträgen.

100% Verantwortung für das Abarbeiten des Auftrages

Glückwunsch, Sie haben es geschafft einen Auftrag an Land zu ziehen. Sie wissen ja was Sie können. Aber wissen Sie auch, welches Drumherum Ihren Auftrag beeinflussen kann? Sind es Witterungsverhältnisse wie starker Regen, Frost oder Sturm? Sind es falsche oder nicht pünktliche Materiallieferungen? Diebstahl oder Vandalismus auf der Baustelle? Wer haftet? Und nicht zu vergessen, der Büroalltag kann nicht liegen bleiben nur weil Sie einen Auftrag haben. Ist aber nicht so schlimm, das machen Sie mit links abends – oder doch nicht abends sondern nachts, wenn die Kinder ins Bett gebracht wurden und nun friedlich schlafen. Kann man so machen – ist aber nichts auf Dauer.  Ich hoffe, dass Sie Ihre Angebote auskömmlich kalkuliert haben. Denn, für das Abarbeiten eines Auftrages benötigen Sie unter Umständen weitere fleißige Hände die sich berufen fühlen. Setzen Sie auf Fachkräfte, die sich in dem von ihnen selbst erlernten Beruf auch berufen fühlen und nicht auf Hilfskräfte, die lediglich auf Jobsuche sind. Fazit: Sie tragen 100% Verantwortung für das Abarbeiten von Aufträgen.

100% Verantwortung für die Rechnungslegung

Rechnungen schreiben macht Spaß. Sollte man meinen. Was haben Sie denn mit Ihrem Auftraggeber dahingehend vereinbart? Anzahlung, Vorauszahlung, Abschlagsrechnung oder Teilrechnung? Wann dürfen Sie die Schlussrechnung stellen? Alles ordentlich auf gemessen und dokumentiert? Welche Zahlungsfrist? Skonto? Über die gesetzlichen Anforderungen an Form und Inhalt einer Rechnung möchte ich hier nicht näher eingehen. Dringende Empfehlung: Treffen Sie nur schriftlich Vereinbarungen. Und auch nur solche, von denen Sie wissen, dass diese rechtskonform sind. Verwenden Sie Tabellenkalkulationsprogramme nur dann, wenn Sie sich darin sicher und firm sind. In meiner Vergangenheit habe ich für einen Insolvenzverwalter die Massenermittlung und die Schlussrechnung für ein Sanitärunternehmen aufgestellt. Dabei ist mir die Ursache aufgefallen, weswegen die Firma trotz guter Auftragslage in finanzielle Schieflage geraten war. Für die Rechnungserstellung verwendete die Firma ein selbst zusammengestelltes Rechnungsformular im Format xls. Die Firma hatte es versäumt, hier die Formeln konsequent zu überprüfen und zu aktualisieren. Ich bin sicher, dass die Firma nicht in Insolvenz hätte gehen müssen.
Daher dringende Bitte an alle neuen Selbständige: Erfassen Sie sämtliche von Ihnen erbrachten Leistungen in Masse und Zeit. Und berechnen Sie Ihrem Kunden wahrheitsgemäß diese Leistungen entsprechend der vertraglichen Vereinbarung. Kontrollieren Sie vor Versand der Rechnung immer das Verhältnis Angebot zur Rechnung und die Summe der Rechnung mit Ihrer persönlichen Nachkalkulation. Erst wenn für Sie selbst alles plausibel und schlüssig erscheint sollten Sie die Rechnung versenden. Fazit: Sie tragen 100% Verantwortung für die Rechnungslegung.

100% Verantwortung für das Abführen der Umsatzsteuer

Von der Umsatzsteuer sagt man ja im Allgemeinen, dass sie einem ja nicht gehöre sondern „nur“ ein durchlaufender Posten vom Endverbraucher zum Finanzamt sei. Schön wäre es, wenn es dann auch so ist. Als Selbständiger wird man ohne gefragt zu werden auch zum Inkassobüro der Finanzverwaltungen. Sie müssen als Selbständiger ihrem Kunden formgerecht mitteilen, was dieser an Umsatzsteuer zu entrichten hat. Sie sind verpflichtet diesen Akt der Umsatzsteuerberechnung zu Gunsten  des Staates zu vollziehen. Sie tragen auch die anteiligen Kosten für die Buchungsgebühren bei den Banken und die Kosten für den Steuerberater bei der Umsatzsteueranmeldung. Und wenn ein Kunde nicht zahlt – kann es durchaus sein, dass Sie je nach Veranlagung die Umsatzsteuer auch zahlen müssen bis ein gerichtliches Urteil vorliegt. Und wenn Sie einen Anwalt nötig haben und das Gericht einschalten müssen um auch die Anteile der Umsatzsteuer einzutreiben – Sie zahlen und gehen in Vorleistung. Das kuriose ist: Wenn der Unternehmer sich mit seinem Kunden in irgend einer Art und Weise einigt, dass der Kunde nur 50% der Rechnung bezahlen soll, braucht der Kunde auch nur die auf den halben Rechnungsbetrag fällige Umsatzsteuer zu zahlen. So etwas wird von den Finanzverwaltungen billigend in Kauf genommen und akzeptiert. Fazit: Sie tragen 100% Verantwortung für das Abführen der Umsatzsteuer.

100% Verantwortung für die Absicherung von Mitarbeitern

Über Gewerkschaften kann man gespaltener Meinung sein. Genauso, wie man über unsere politische Landschaft gespaltener Meinung sein kann. Aber Gewerkschaften und politische Landschaften haben unser heutiges Sozialsystem geschaffen. Unser Sozialsystem erscheint vielen Mitmenschen zwar immer noch nicht gerecht aber ich finde, es ist im Ansatz gut und soll hier nicht verrissen werden. Die soziale Absicherung ist ein wesentlicher Teil der Personalnebenkosten und bestimmt somit den kalkulatorisch vom Unternehmer zu berücksichtigenden Stundenverrechnungssatz in erheblichem Maß. In Deutschland liegen die Lohnnebenkosten mit rund 40,49% für Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege-, gesetzliche Unfallversicherung und Insolvenzgeld schon recht hoch. Zu diesen festen Sätzen der sozialen Absicherung muss man auch so genannte direkte und indirekte Personalkosten wie Urlaub, Feiertage, Weihnachtsgeld, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Kosten der Fort- und Weiterbildung als vom Unternehmer zu erwirtschaftende Leistung hinzuziehen. Ich hoffe, Sie spüren die Brisanz, die in diesem Thema steckt. Mehr als 40% der umgesetzten Lohnkosten kommen ausschließlich der Absicherung Ihrer Mitarbeiter zu Gute. Doch wie ist es umgekehrt? Wer kommt für eine vergleichbare Absicherung der Arbeitgeber auf? Ich hätte es fast vergessen: Der Arbeitgeber selbst – nein der Endverbraucher. Fazit: Sie tragen 100% Verantwortung für die Absicherung Ihrer Mitarbeiter.

100% Verantwortung für das Abführen von Lohnsteuer

In der Zeitschrift „Welt“ konnte man vor Jahren schon lesen: Man muss nur zwei Dinge im Leben: Steuern zahlen und sterben. Als Unternehmer sind Sie es, der die Verantwortung dafür übernimmt, die Lohnsteuer Ihrer Mitarbeiter frist- und termingerecht an das Finanzamt abzuführen. Da fragt Ihr Finanzamt nicht, ob Sie auch den Gegenwert, nämlich die Bezahlung der von Ihren Mitarbeitern und Ihnen selbst erbrachten Leistung erhalten haben. Und wehe, wenn Sie nicht pünktlich zahlen! Satte 1% Säumniszuschlag werden bereits ab dem ersten Tag nach Zahlungsverzug fällig. Und wenn Sie nicht aufpassen, bekommen Sie ggfs unliebsame Post von Ihrer Bank oder Sparkasse. Auch hier bedient sich die Finanzverwaltung wieder einmal Dritter. Das Finanzamt sperrt Ihre Konten – die Banken teilen Ihnen dies fast freundlich mit und Spielräume, die Sie bisher noch bei den Geldinstituten hatten werden sofort schmaler oder wegen eines wo möglichen Risikos mit einem höheren Zins belegt.  Fazit: Sie tragen 100% Verantwortung für das Abführen von Lohnsteuer.

100% Verantwortung für Einkommensteuervorzahlung

Nun stellen Sie sich vor, Sie machen sich aus einer Arbeitslosigkeit heraus selbständig. Melden alles soweit an und mit den Zahlen, die Sie erhoffen. Doch prompt schallt Ihnen das Echo des Finanzamtes entgegen: Bevor Sie überhaupt etwas verdient haben sollen Sie etwas, Ihnen der Höhe nach noch unbekanntes, Vorauszahlen: Einkommensteuer. Und das dann auch noch für 3 Monate im Voraus! Sie fühlen sich wie all die Auswanderer Anfang des 19. Jahrhunderts, die Deutschland den Rücken kehrten und nach Amerika auswanderten. Friedrich List hatte hierzu 1817 eine Befragung unter den Auswanderer durchgeführt und als Ergebnis seiner Erhebungen schrieb er in seinem Bericht an den König: „Lieber ein Sklave in Amerika als Bürger in Weinsberg (Württemberg)“. Die Befragten klagten über die Teuerungen, die Bedrückung durch Beamte und Schultheiße, Schreibergebühren und Abgaben jeglicher Art an den Adel. Die Zeiten haben sich ein wenig geändert – die Lasten sind immer noch erdrückend. Für Bürger und Unternehmer. Der Schultheiß hatte im Auftrag seines Herren (Landesherrn, Stadtherrn, Grundherrn) die Mitglieder einer Gemeinde zur Leistung ihrer Schuldigkeit anzuhalten, also Abgaben einzuziehen oder für das Beachten anderer Verpflichtungen Sorge zu tragen. Heute scheint der Begriff Schultheiß durch den Begriff Unternehmer neu umschrieben zu sein. Doch alles Jammern nützt nichts. Wohin auswandern? Fazit: Sie kommen nicht drum herum und sind zu 100% verantwortlich für die Einkommensteuervorauszahlung.

100% Kreditinstitut oder Sponsor für das FA bei Einklagen offener Forderungen

Nun sind wir beim vorletzten 100%-Thema angelangt und stellen fest, dass es letztendlich Unternehmer mit ihren Mitarbeitern sind, die den Kreislauf des Geldes ermöglichen. Der Unternehmer muss an seine Überschüsse, eventuell auch an seinen vermeintlichen Gewinn um die Forderungen der Finanzverwaltungen zu befriedigen. Er finanziert Anwalts- und Gerichtskosten um berechtigte Forderungen gegenüber seinen Schuldnern durchzusetzen. Während Ihr Schuldner die in Ihren Rechnungen enthaltene Umsatzsteuer bei seiner Umsatzsteuer schon geltend machen kann obwohl er die Rechnung noch nicht beglichen hat, müssen Sie nun Anwalt und Gericht bemühen – auf Ihre Kosten. Und glauben Sie bitte nicht, dass Ihnen das Finanzamt dahingehend helfen würde, Ihnen mitzuteilen, ob ihr Schuldner die Umsatzsteuer ihrer Forderung geltend gemacht hat. Die Geltendmachung der Umsatzsteuer kommt in meinen Augen der Anerkennung der Gesamtforderung gegenüber dem Schuldner gleich. Kommt dies nicht in gewisser Weise einer Unterschlagung gleich? Oder ist es Diebstahl, wenn man sich der Umsatzsteuer beim Finanzamt bedient und diese nicht an den Rechnungsleger (Gläubiger) weiterleitet? Unverständlich eigentlich, dass sich Schuldner hier sogar straffrei bereichern können. Fazit: Sie sind 100% Kreditinstitut oder Sponsor für das FA bei Einklagen offener Forderungen

100% Schiedsmann und Entscheider für das Finanzamt.

Ja, Sie lesen richtig. Als Unternehmer hat man es in der Hand. Der Unternehmer darf entscheiden, wie viel Umsatzsteuer der Schuldner über Sie an das Finanzamt abführt. Der Unternehmer hat seine berechtigten Forderungen in Form einer dem §14 des Umsatzsteuergesetzes entsprechenden Rechnung seinem Schuldner unterbreitet. Die Umsatzsteuer wird darin schlichtweg mit 19% ausgewiesen. Bei einer Nettoforderung von 1.000.000 € beträgt somit der Barwert der Umsatzsteuer 190.000 €. Und nun kommt es: Der Schuldner zählt zu den Schuldenkönigen oder ist tatsächlich mau bei Kassen. Es liegt nun in der Hand des Unternehmers ob er sich sofort mit seinem Schuldner einigt und der Schuldner nur 60% der Forderung begleicht. Somit bezahlt er nur noch 114.000 € Umsatzsteuer. Einfach nur so – ganz ohne Ärger mit dem Finanzamt zu bekommen. Das Finanzamt verzichtet ganz ohne Rechtsstreit auf Umsatzsteuer?!?! Ganz zu schweigen von den in´s Wasser gefallenen Einkommensteuern aus dem Differenzbetrag zwischen Soll und Haben. Als Unternehmer dürfen Sie nicht glauben, dass das Finanzamt Ihnen im Falle säumiger oder ausbleibender Zahlungen zur Seite steht und gemeinsam mit Ihnen die Hauptforderung durchsetzt. Es wäre ja zu einfach, wenn sich das Finanzamt die Hauptforderung bei Ihrem Gläubiger abholt und den Steueranteil einbehält. Das würde die Gerichte endlich einmal etwas entlasten und das Finanzamt stände für den Unternehmer in einem ganz anderen Licht da.  Leider ist es nicht so.  Aber wenn der Unternehmer statt 190.000 € Umsatzsteuer eben nur 11,4% also die besagten 114.000 € an das Finanzamt abführt. werden ihm ganz schnell die Konten gepfändet. Auch dann, wenn er hierdurch mehr Einkommensteuer bezahlt.

100% der Dumme, wenn´s mal nicht rund läuft.

Irgendetwas läuft im Moment mal nicht ganz so, wie Sie es sich vorstellen. Da gibt es einige Störfaktoren, auf die Sie nicht immer von jetzt auf gleich reagieren können. Da werden Mitarbeiter krank und die Fertigstellung der Arbeit verzögert sich. Während die Personalkosten weiterlaufen ruht besten Falls die Arbeit und, da die Leistung noch nicht abgeschlossen wurde, können Sie diese auch noch nicht abrechnen. Oder ein Kunde zahlt nicht so, wie Sie es eigentlich eingeplant haben. Und dann kommt ein anderer Kunde, der, wenn auch berechtigt, eine Leistung bemängelt. Sie müssen die Mängel, welche Ihre Mitarbeiter produzieren, auf Ihre Kosten beheben. Mängelbeseitigung kann teuer sein und werden. Sie werden 3-fach bestraft: Arbeitskräfte werden an Mängelbeseitigungen gebunden. Sie zahlen doppelten Lohnanteil. Einmal für die mangelhafte Leistung und einmal für die Beseitigung. Andere Kunden bleiben in der Warteschleife stecken sodass sich der kalkulierte Umsatz nach hinten verschiebt. Glauben Sie, dass Ihre Mitarbeiter bei Mängelbeseitigung auf Lohn und Gehalt verzichten? Das die Mängel sich außerhalb regulärer Arbeitszeiten beseitigen lassen? Ich wage zu bezweifeln, dass Sie von allen Ihren Mitarbeitern in schlechten Zeiten das Angebot unterbreitet  bekommen, auf Teile ihres Lohn- und Gehaltsanspruchs zu verzichten. Fazit: Das ist dann mal dumm gelaufen.

Doch das Kapitel 3 hat ein Thema: Einer für Alle – aber Alle für Einen?

Wenn Sie bis hierin schon vorgedrungen sind, ist Ihnen eigentlich schon klar, dass Sie als Unternehmer in Ihrem Tun und Handeln Entscheidungen mit großer Tragweite alleine fällen müssen – auch wenn Sie sich vorher beraten lassen. Ein Berater wird Ihnen niemals eine Gewähr dafür geben, dass Ihr Vorhaben gelingt. Lassen Sie sich eingehend beraten und legen einmal die rosarote Brille zu Seite und verschaffen sich einen klaren Blick.

Beginnen wir einmal bei dem von uns so heiß geliebtem Finanzamt:

Je nachdem, wie Sie Ihre Selbständigkeit aufnehmen, als Unternehmer oder Freiberufler, müssen Sie Ihr Unternehmen entweder beim Gewerbeamt Ihrer Stadt oder Gemeinde oder als Freiberufler direkt beim Finanzamt anmelden. In jedem Fall erhalten Sie vom Finanzamt einen Fragebogen zugestellt, den Sie am besten mit Ihrem Steuerberater gemeinsam besprechen und ausfüllen. Gehen Sie hierbei sorgfältig aber mit Bedacht vor. Das Finanzamt kennt kein Pardon! Schätzen Sie Ihre Einkünfte Anfänglich zu gering ein, kommt die Nachforderung postwendend und bei vielen Selbständigen dann unverhofft. Nehmen Sie zu hohe Ansätze für Ihr Unternehmen, werden Sie zum zinslosen Kreditgeber des Finanzamtes. Das Finanzamt kennt so schwer kalkulierbare Begriffe wie Einkommensteuervorauszahlung oder Umsatzsteuervorauszahlung. Dabei gehen die Finanzämter oftmals von Schätzungen aus. Und dass das Finanzamt ganz gerecht mit Ihnen umgeht, erfahren Sie dann auch noch. Während Sie als Steuerschuldner für verspätete Zahlungen Säumniszuschläge von 1,0 Prozent je Monat zahlen müssen, wird Ihnen das Finanzamt eventuell zu viel gezahlte Steuern zurücküberweisen. Vergeblich werden Sie hier nach einer Gutschrift über 1,0 Prozent je Monat für „Kapitalerträge“ suchen.

Nun zu den Krankenkassen:

Die gesetzliche Krankenversicherung ist eine, auf längere Zeit betrachtet, der sichersten Lösungen im Krankheitsfall. Doch wie wird man beitragsmäßig bei Gründung der Selbständigkeit eingestuft? Hier ist es ganz wichtig, dass Sie sich frühzeitig mit Ihrer Krankenversicherung zusammen setzen und beraten lassen.

Schauen wir uns nun einmal die Geldinstitute an:

Alle Banken bieten Ihnen Startkapital – nicht umsonst – sondern gegen Zinsen. Und vielleicht auch schon gegen Sicherheiten. Das fängt mit der Unterschrift des Partners an, geht weiter über KFZ-Briefe bis hin zu Grundschuldeintragungen.

Während meiner Recherchen zu meinem Kapitel 2 – „Schuldenkönige und Insolvenz“ habe ich von Fällen erfahren, in denen Firmeninhaber Kredite aufgenommen haben um ihren Verpflichtungen nachkommen zu können. Zu den Verpflichtungen gehören wie bereits eingangs berichtet eben auch Verpflichtungen zur Absicherung der Mitarbeiter. Während auf die Altersvorsorge des Unternehmers Grundschuldeinträge der Kreditgeber vorgenommen werden, steigt durch die monatlich zu stemmende Zins- und Tilgungsrate die Verpflichtung des Unternehmers.
Unternehmer sind in unserem Sozialstaat nicht nur, wie viele meinen, Absahner und Millionäre. Nein, sie sind mutig. Ja sehr mutig und auch treibende Kraft – der eine etwas mehr, der andere etwas weniger. Mit ihrem Engagement gehören sie auch zur Solidargemeinschaft und dürfen dort nicht ausgeschlossen werden. Wieso verlieren so viele Selbständige ihren Anspruch auf Leistungen der Sozialversicherungen aus den Zeiten, wo der Unternehmer selbst noch Mitarbeiter eines Betriebes war? Wieso wissen so wenige neue Selbständige wie man die gesetzlichen Absicherungsmechanismen nach der Gründung einer Selbständigkeit weiter fortführen kann ohne daran zu scheitern?  Weshalb übernimmt die Solidargemeinschaft nicht so eine Art „Arbeitnehmer-Anteil“ zu den Sozialversicherungen des Arbeitgebers? So wie der Arbeitgeber es ja auch für seine Mitarbeiter macht.

Machen Sie sich doch bitte einmal Gedanken dazu, wie Sie aus meiner Überschrift „Einer für Alle – aber Alle für Einen?“ ein  „Einer für Alle – und Alle für Einen!“ machen können.  Schreiben Sie mir.

Kurt Graß
Friedlandplatz 10-12
52511 Geilenkirchen

 

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