Dual Career und Familienteilzeit

Gedanken zu Planbarkeiten, (Um)wegen und Erwartungen

Dual Career

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Diese kurzen und als Einführung und Denkanregung gedachten Ausführungen beziehen sich auf persönlich Erlebtes, Erfahrenes und Erwartetes. Sie sollten und sollen daher keinesfalls als allgemeine Aussage gelesen werden, genauso wenig allerdings als reiner Einzelfall abgestempelt werden, enthalten sie doch durchaus Generalisierbares in ihren Teilen und Abschnitten. Was hierbei Karriere heißt und noch dazu ihre Dualität bedeutet, was Dual Career, im hiesigen Hintergrundfall eine solche in einem den Wissenschaften nahen Feld, mindestens wissenschaftsaffin, aber nicht notwendigerweise akademisch, kann unterschiedlich gefüllt werden, aber auch hier gilt, dass sich einige Überlegungen auch über den hiesigen Hintergrundfall  hinaus festhalten lassen.

Dual Career: Zwei individualistische Karrieren zu planen hat gewisse Grenzen und Hürden, die zu überwinden sind.

Zwei individualistische Karrieren zu planen hat, zumindest wenn in einer bestehenden Partnerschaft und auch darüber hinaus Rücksichten genommen werden sollen, gewisse Grenzen und Hürden, die zu überwinden sind. Verkompliziert wird dies, wenn Kinder mit im Spiel sind, aber auch, wenn deutliche Unterschiede der Karriereideale bezüglich finanziellen Aspekten oder Internationalität bestehen. Im hiesigen Fall ist der eine Hintergrund der deutscher akademischer Begabtenförderung, in Studium und Promotion, und beim partnerschaftlichen Konterpart eines praxisorientierten, eher interdisziplinären aber gewissermaßen konventionelleren wissenschaftlichen Werdegangs. Der eine Weg fand sein vorläufiges Ende in der Abgabe der Dissertation und drei Monate später mit dem endgültigen Ende der Begabtenförderung und einem vorläufigen Verweilen in Arbeitslosengeld II, da die Verteidigung unter anderem durch Verwaltungsfallstricke noch auf sich warten lässt. Der andere Weg führte von der Universität an eine Fachhochschule und dabei immer tiefer in wissenschaftliches Forschungsinteresse in einem stark interdisziplinären Feld. Dies brachte vor allem die Herausforderung mit sich, von einer Fachhochschule aus eine Promotion anzustreben, diese in einem anderen Fachbereich unterzubringen und dazu notwendige „Weiterqualifizierungen“ zu erwerben, um überhaupt promovieren zu können, jedoch ohne die finanzielle Sicherheit von Begabtenförderung oder anderer Seite. In der noch-studentischen Phase des zweiten Parts kann die damals noch laufende Begabtenförderung der einen Seite durchaus als auch finanzielle Ermöglichung einer Dual Career gesehen werden. Unterstützt wird dieses Bild noch durch so zumindest erleichtert mögliche Einblicke in wissenschaftlichen interdisziplinären Austausch und andere Formate wissenschaftlicher gemeinsamer Arbeit und Austausches.

Leicht verschiebt sich dieses Bild, wenn die dafür notwendige Anderszeitlichkeit differenzierter betrachtet wird – dieses positive Bild von Dual Career ist so nur möglich, wenn die partnerschaftliche zweite Seite in der Promotionsphase mit Förderung der ersten Seite noch studiert. Doch begrenzt diese Anderszeitlichkeit zugleich stark Entscheidungen für Wege ins Ausland, deutliche Mobilität und ähnliches, durch die feste Bindung des noch studierenden Parts an einen Ort. Ausweichmomente sind dann Praktika, Abschlussarbeiten und ähnliches, die wieder eine gewisse Mobilität mit sich bringen. Diese Ungleichzeitigkeit bringt dann jedoch im Moment des Abschlusses eines Parts, hier der nicht zu fernen Promotion nach Begabtenförderung, das Problem mit sich, wem gefolgt werden soll und kann – der Suche nach Arbeit und Broterwerb mit Ortsbindung, oder eines möglichen, im Sinne der Promotion des nachkommenden Parts aber notwendigen Forschungsaufenthalt über einen längeren Zeitraum im ferneren Ausland. Eine freie Entscheidung ist hier deutlich nicht möglich, unabhängige temporäre, aber finanziell gesicherte Felder zum postdoktoralen Weitergehen oder auch in wissenschaftsnahe Bereiche gibt es kaum, Flexibilität in der Job- oder Weiterbeschäftigungssuche wird fast unvereinbar mit der Qualifikation des anderen Beziehungsparts, Dual Career sehr fraglich. Der sowieso schwierige Weg aus einer Promotion nach Begabtenförderung und ohne Stelle wird so noch schwieriger und verschlungener, zumindest wenn Strukturen oder finanzielle Mittel gesucht oder angestrebt werden.

Auch wenn dies alles nur unter der Voraussetzung gilt, dass ein auch partnerschaftliches gemeinsames Leben angestrebt wird, so sollte dessen Aufgabe oder Negation doch keinesfalls Grundlage einer Entscheidung für eine duale bis parallele Karriere, eine Dual Career sein. Der unterschiedliche Hintergrund, eher wissenschaftlich-theoretisch oder forschend-praktisch verankert, eher klassisch universitär und geisteswissenschaftlich oder eher hochschul-praktisch und interdisziplinär, erleichtert es nicht eine gemeinsame Basis für Auslandsaufenthalte oder vergleichbares zu finden. Der pragmatische Weg dabei war im Hintergrundfall die „Einigung“ auf eine gemeinsame Weltregion als Interessen- und Wirkungszielfokus, auf Lateinamerika. Doch in diesem zum gleichen Zeitpunkt zwei Stellen oder Arbeitsmöglichkeiten im Sinne von Qualifikation und Qualifizierung oder zur qualifizierenden Forschung zu finden, mag zwar nicht unmöglich sein, herausfordernd ist dies aber mindestens. Was oft bleibt sind un- oder kaum bezahlte Stellen, Freie Mitarbeit oder lange unbezahlte Vorbereitungen von Stipendienbewerbungen. Auch wenn dies in einem CV danach alles noch sehr gerade aussehen kann, Karriereplanung ist dies nicht, ein gerader oder breit nachvollziehbarer Weg im Sinne von Dual Career ebenso wenig.

Dual Career und Familienplanung

Ein letzter Aspekt verkompliziert dabei noch mehr, und dies ist im wörtlichen Sinne eine Familienplanung über eine reine Beziehung hinaus. Dabei überschneiden sich nicht nur zwei gesellschaftliche Diskurse, sondern auch zwei Hintergründe für eine duale oder parallele Karriereplanung: Kinder früh, möglichst im Studium zu bekommen als ideal (mensch sei noch jung, die Geburten damit vorbei und kein „Hindernis“ zu späteren Zeiten mehr, die Kinder im Moment deutlicher Arbeitsnotwendigkeit am Karriereanfang schon älter etc.) oder aber erst nach einer gewissen Sicherung von Karriere (die fertile Phase wie das Leben dauere ja heute länger, so kann im Studium und danach freier und konzentrierter agiert werden, etc.). Auch wenn beide Diskurse überzeichnen, keiner der beiden ist von der Hand zu weisen, und beide Lebenswege gibt es. Kinder im Studium haben, und im Rahmen von Begabtenförderung hatten ihren Vorteil. Nun sind sie älter und arbeiten ist auch möglich, wenn sie zugegen sind, sowieso ist Betreuung organisierbar. Es zeigen sich dann und dabei jedoch neue Fallstricke. Im Ausland kostet Betreuung deutlich mehr, da hilft ein deutsches Stipendium de facto nichts – die Kinder können nicht vollwertig oder vollzeitig ohne zusätzliche Gelder oder Stipendien dort betreut werden. Arbeiten ist mit Kindern gut, so aber eben begrenzter möglich. Auslandsmomente sind unter solchen Voraussetzungen für eine Seite geplant, die andere steckt klar zurück und unterstützt bzw. betreut, kann nur eingeschränkt karrieristisch wirken. Allgemeine Mobilität ist so auch eingeschränkt, für Forschung oder auch Job- bzw. Beschäftigungssuche, ein Ort ist mindestens eher fix, eine Part vor Ort notwendig – freie und schnelle Entscheidungen kann so nur ein Part treffen, Dual Career wir in ihrem Vorantreiben schwierig. Die nächste und große Hürde wird die Schulpflicht, die bei einer Geburt im Studium mit dem Ende einer oder, bei einer Geburt schon beim BA, der notwendigen Feldforschung einer Promotion zusammen fällt. Letztere Phase, die nicht zu unüblich bei Promotionen ohne Stellen mindestens in ihrer Vorbereitung noch ohne Stipendien verläuft, kann dann zugleich auf post-Abgabe-Arbeitslosigkeit treffen, bei noch notwendiger langzeitiger Forschung im Ausland vor Augen und in der Planung. Dabei erschwert ein schulpflichtiges Kind die Flexibilität wann und wohin genau als Basis zu gehen ist, die Finanzierungsfrage wir eher noch virulenter. Entweder kann ein Part alleine ins Ausland gehen – die Möglichkeiten auf Beschäftigung des zurückbleibenden Parts werden dadurch bei der alleinigen Betreuung mindestens eines Kindes nicht leichter, oder die Finanzierung und Planung im Ausland fällt auf den promovierenden Part. Die letzten Optionen, kürzerer Auslandsaufenthalt oder aber noch weiter verzögerte Promotion, damit der bald promovierte Part frei suchen kann, bringen auch keine Sicherheit, zumindest keine klare Dual Career mit sich.

Die Wege einer Dual Career sind so in den jeweiligen Momenten tatsächlich Fallstricke, noch erschwert durch staatliche Regelungen und die Unsicherheiten einer Laufbahn in der Wissenschaft

Die Wege einer Dual Career sind so in den jeweiligen Momenten tatsächlich Fallstricke, noch erschwert durch staatliche Regelungen, den unsicheren Status von Promovierenden oder Stipendiat_innen oder notwendige Vorfinanzierungen bei vielen temporären Beschäftigungen wie Lehraufträgen, wenn diese überhaupt bezahlt werden. Und selbst wenn dies alles am Ende im CV rund aussieht, Kinder tatsächlich irgendwann zumindest in ihrer Eigenständigkeit Karriereplanungen kaum (noch) erschweren und beide Parts ihre Positionen finden, Dual Career als planbares Gut oder um darauf zu setzen, ist ein unsicheres Feld und verlangt Entbehrungen, Ausgleich und ein stetiges Abwägen. Und dennoch, eine Karriere auf Kosten anderer, noch weniger von Partner_innen sollte und kann keine Alternative sein.

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