Globale Zivilgesellschaft und Religion- Gibt es eine ethisch-religiöse Globalisierung?

Thesen

  1. Zur modernen Gesellschaft gehört religiöse Pluralität, verstanden als Chance und zugleich Zwang, mit unterschiedlichen Religionen in einer Gesellschaft zu leben.
  1. Auch in der modernen Gesellschaft mit zahlreichen religiösen Minderheiten gehört Religion zum öffentlichen Raum, etwa weil religiöse Praxis von der Beschneidung bis zum sonntäglichen Glockenläuten Anlass für öffentliche Diskussion bietet.
  1. Religion ist für den einzelnen Menschen eine Identität prägende religiöse Zugehörigkeit mit Elementen eines eigenen Lebensstils und einer diskursiven Eigenlogik zur Welterklärung.

  1. Weil Religionen Modelle der Welterklärung liefern, haben sie eine eigene religiöse Diskurskompetenz. Weil religiöse Ignoranz gutes Zusammenleben erschwert, ist es Aufgabe der gesamten Gesellschaft ist, sich aktiv um ein fundiertes Verständnis für religiöses Sprechen und Handeln zu bemühen.
  1. Religionen sind Teil ihrer Zivilgesellschaft, die in verschiedener Ausprägung den Rahmen für religiöses Leben Entscheidend ist dabei, Verfolgung und Übergriffigkeit im Sinn von anmaßenden Eingriffen von allen Seiten- dem Staat, der Gesellschaft und der Religion- zu vermeiden.
  1. Gilt die Religionsfreiheit als universelles Menschenrecht, dann umfasst diese zwangsläufig das Recht auf eine eigene Meinung, einen eigenen Kult, aber auch das Recht zur Konversion und die Pflicht zur Toleranz. Dem entsprechen aus religiöser Sicht das „Recht auf Irrtum“ und die „Pflicht zur Toleranz auch für eine falsche Lehre“!
  1. Weil Religionen Welterklärungen auch zu nicht entscheidbaren Sachverhalten wie dem Leben nach dem Tod bieten, ist ihr Wahrheitsanspruch logisch nicht zu entscheiden, aber auch nicht zu widerlegen und auch nicht zu bestreiten. Zur Religion gehört daher eine gesellschaftlich anzuerkennende prinzipielle Wahrheitsfähigkeit und Diskurskompetenz!
  1. Der Globalisierung von Gütern und Dienstleistungen, von Information und Kommunikation entspricht auch eine ethisch-religiöse Globalisierung, eben weil konkurrierende religiöse Vorstellungen weltweit in Austausch und Konflikt treten. Erst wenn gemeinsame Spielregeln des Zusammenlebens von allen eingehalten werden, wirkt diese ethisch-religiöse Globalisierung nicht als Gefahr für den Frieden, sondern als Frieden fördernd!
  1. Religionen haben in der pluralen Zivilgesellschaft die Aufgabe, sich über Mindeststandards des Verhaltens zu verständigen, die einer Logik des Lebens zuträglich sind. So sind Tötungen und grausame Strafen aus religiösen Gründen weltweit zu ächten!
  1. Religionen im Kontext der globalen Zivilgesellschaft können dann letztlich einen wesentlichen Beitrag zum Weltfrieden, aber auch zu einem menschenwürdigen Leben für alle leisten!
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